Sebastian Bernauer: „Funktional mit leichten Tücken“ - Testergebnisse - Heise Partnerzones Testergebnisse . Rollei Stativ C5i Carbon, Rollei Outdoor-stativ, Carbon-Stativ, Reisestativ mit Makromittelsäule und Kugelkopf, Panorama-Stativ, 3D-Stativ . Das prämierte Rollei C5i Stativ in Carbon. Ein Viertel weniger Gewicht und neue, sinnvolle Features nicht nur für Tier- und Outdoor-Fotografie. /styles/zones/basis.css

Sebastian Bernauer: „Funktional mit leichten Tücken“

Als Hobbyfotograf war mein Interesse am Rollei C5i Carbon schnell geweckt. Egal ob Architektur-, Landschafts-, Nacht- oder Sportfotographie - ohne Stativ ist man manchmal einfach eingeschränkt. Überwältigt war ich vom ersten Eindruck, der umfassendes Zubehör und hohe Flexibilität bei geringem Gewicht versprach.

 - Sebastian Bernauer

Sebastian Bernauer

Bei meinen Tests habe ich mich auf den normalen Tripod fokussiert. Ich denke, dass er für die meisten Anwender die wichtigsten Funktionen beinhaltet. Deshalb war ich bemüht hier auch verschiedene Szenarien aus dem Fotografenalltag zu simulieren. Angefangen habe ich im „Studio“ beim Training des Schützenvereins Münstertal, der für einen Flyer zur Jugendwerbung neue Bilder benötigte. Auf engstem Raum habe ich also meine Leinwand, Blitz und das Stativ aufgebaut, während ich mit den Jungs etwas Smalltalk hielt. Das Stativ war schnell aufgebaut und justiert. Mit den Libellen konnte ich es auch problemlos ausrichten.

 - Auf engstem Raum baute unser Tester Leinwand, Blitz und das Stativ auf, um beim Training des Schützenvereins Münstertal neue Bilder für einen Flyer zur Jugendwerbung aufzunehmen.

Auf engstem Raum baute unser Tester Leinwand, Blitz und das Stativ auf, um beim Training des Schützenvereins Münstertal neue Bilder für einen Flyer zur Jugendwerbung aufzunehmen.

Quelle: Sebastian Bernauer

Funktional mit leichten Tücken

Das erste kleine Missgeschick passierte jedoch beim Montieren der Kamera: Wahrscheinlich etwas abgelenkt durch das Gespräch hatte ich einen der 9 (!) Drehverschlüsse an den Beinen nicht fest genug angezogen, weshalb der Tripod beim Aufsetzen der Kamera bedrohlich zur einen Seite hin absackte - zum Glück jedoch ohne umzufallen. Nachdem ich alle Verschlüsse kontrolliert und etwas fester angezogen hatte, war dieses Problem aber bald gelöst. Weiter ging es mit dem Shooting. Nach der ersten Serie entschieden wir uns für eine kleine Pause und den Umbau der Szene. Aufgrund der neuen Situation habe ich dann auch das Objektiv gewechselt. Nächster Schock – die Kamera kippte nach vorne und das gerade montierte (schwerere) Objektiv schlägt auf dem Stativ auf! Ich fluchte über meine erneute Unachtsamkeit, diesmal beim Feststellen des Kugelkopfs.

Dann machte ich mir aber Gedanken über die Ursache. Im Vergleich zu meinem bisherigen Stativ, das mit Hebelklemmen arbeitet, sind beim C5i nur Schraubverschlüsse verwendet worden. Man hat deshalb keine visuelle Kontrolle über den tatsächlichen Halt am Verschluss. Auch die Justierung am Kugelkopf, die als einzige eine Skala zeigt, musste ich „überdrehen“, bis die Kamera sicher auf dem Stativ montiert war, obwohl das maximale Gewicht gemäß technischem Datenblatt noch nicht erreicht war. Dieser Mangel war mir in einem anderen Zusammenhang (Bedienerfreundlichkeit: etwa einhändige Bedienung) schon beim ersten Eindruck aufgefallen. Hier wäre eine Verschlusstechnik mit definierten „Auf-Zu“-Positionen wünschenswert. Deutlich wird das ebenfalls beim Abbau: Je nachdem, wie man das Stativ festhält, löst sich statt der Klemme zwischen oberstem und mittlerem Fußsegment die Schraube am Gelenk, über die man das Stativ zum Monopod umbauen kann.

Das Rollei C5i Carbon in freier Wildbahn

Bevor nun der Eindruck entsteht, ich wäre mit dem C5i Carbon nicht zufrieden – ich jammere auf hohem Niveau! Wenn man sich mit dem Stativ etwas angefreundet hat, bringt es viel Spaß bei der „Arbeit“. Im Folgenden zeige ich ein paar Outdoor-Situationen, bei denen das Stativ durch sein Gewicht und den Funktionsumfang punkten kann.

Auf einer Wanderung vorbei am Kloster St. Trudpert durch meinen Heimatort Münstertal im Schwarzwald, fiel das geringe Gewicht von etwa 1,3kg nicht auf. Auch das Packmaß von etwas über 40cm ist perfekt für den Transport in einem Daypack-Rucksack geeignet. Lediglich der aufwendige Aufbau mit den angesprochenen Schraubverschlüssen verzögert das Vergnügen etwas. Sobald das Stativ aber steht, sind einem fast keine Grenzen mehr gesetzt und man kann aus dem kompletten Funktionsumfang schöpfen. An den Making-of Bildern erkennt man, dass ein vollwertiges Tripod-Stativ im Rollei C5i Carbon schlummert. Und mit ein wenig Übung gelingt auch der Umbau beziehungsweise das Verstellen der Stativbeine im Handumdrehen. So war ein schneller Schnappschuss vom Schlüsselblümchen am Wegesrand mit der Montage der Kamera am unteren Ende der Mittelsäule kein Problem.

 - Für dieses Foto musste das Stativ umgebaut werden.

Für dieses Foto musste das Stativ umgebaut werden.

Quelle: Sebastian Bernauer

Außerdem sei erwähnt, dass die Stativbeine des Rollei C5i Carbon besonders flexibel gefertigt sind. Ein Verstellwinkel am oberen Gelenk von nahezu 180° kommt nicht nur dem Packmaß zugute, weil die Mittelsäule zwischen den Beinen verschwindet. Auch ermöglicht es das stabile Positionieren der Kamera auf dem Stativ in schwierigem Gelände. Als Beispiel kann ich hier das Fotografieren in Hanglagen nennen, bei dem man zwei Beine als Träger von Gewicht und ein Bein als querstützendes Justierelement nutzen kann. Aber auch wenn an einem Flusslauf das Wasser oder ein Graben überspannt werden soll, kann man die Beine entsprechend nach außen abspreizen, um so die Kamera sicher an der gewünschten (optimalen) Stelle zu positionieren. Einzige Verbesserung an dieser Stelle wäre eine schwenkbare Mittelsäule, um auch horizontal flexibler zu sein – aber man kann ja nicht alles haben!

Ist ein 1,3kg leichtes Carbon-Stativ wirklich stabil und standhaft?

Da ich das Rollei C5i Carbon nicht einem zerstörenden Materialtest unterziehen wollte, habe ich versucht, mit besonders heiklen Fotografie-Szenarien herauszufinden, ob das Stativ sein Versprechen, Leichtigkeit und Standfestigkeit zu kombinieren, auch wirklich erfüllt. Hierzu habe ich mich am späten Nachmittag auf den Weg zum Schauinsland gemacht. Als erstes hielt ich an einem kleinen Gebirgsbach, um eine Langzeitbelichtung vom Wasser zu testen. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden. Das Stativ hat über die lange Belichtungszeit gemacht, was es soll – stillstehen. Auch die Metalldorne am Fußende sind in diesem Gelände hilfreich, da sie zusätzlichen Halt bieten. Test 1 wurde also bestanden. Weiter ging es den Berg hinauf über Schauinsland und wieder zurück ins schöne Münstertal.

Mittlerweile war es dunkel und der Mond leuchtete durch eine sternenklare Nacht. Zeit für eine weitere Langzeitbelichtung. Als Motiv hatte ich mir noch einmal die Pfarrkirche und das Kloster St. Trudpert ausgesucht, dieses Mal jedoch aus einem anderen Winkel.

 - Um hier ein gutes Ergebnis zu bekommen, musste unser Tester das Stativ zusätzlich beschweren.

Um hier ein gutes Ergebnis zu bekommen, musste unser Tester das Stativ zusätzlich beschweren.

Quelle: Sebastian Bernauer

Jetzt zeigte das Stativ - auf volle Höhe ausgefahren und unter aufgefrischten Windverhältnissen - erste Schwächen. Die große Kamera mit Batteriegriff bot wohl zu viel Angriffsfläche, sodass sie während der Belichtung etwas wackelte. Zu erkennen war das am Ziffernblatt der Kirchturmuhr, die etwas „verschmiert“ abgebildet wurde. Das war auch nach mehreren Versuchen der Fall. Erst nachdem ich das Stativ mit dem Rucksack etwas beschwert hatte, konnte ich ein einwandfrei scharfes Foto schießen.

Vorteile

+ sehr leicht mit nur zirka 1,3kg

+ viele Funktionen und dadurch sehr flexibel

+ hochwertige Verarbeitung und ansprechende Haptik

+ Fairer Preis von 200 bis 250 € in diversen Onlineshops

Nachteile

- hoher Zeitbedarf beim Aufstellen (etwa 9 Schraubverschlüsse)

- keine oder vermeintlich falsche Skala an den Schraubverschlüssen

- geringes Gewicht macht das Stativ ohne zusätzliche Beschwerung windanfällig

Fazit

Das Rollei C5i Carbon bietet viele Funktionen bei geringem Gewicht. Die Konstruktion ist filigran und ansprechend, alle Materialien wirken wertig und fühlen sich gut an. Das Zubehör bietet für alle Lebenslagen eines Fotografen die passende Lösung, auch wenn mir persönlich die Grundfunktion als Tripod völlig ausreicht. Leicht abwerten muss ich das Ergebnis auf Grund der kleineren Unfälle, bedingt durch die vielen Schraubverschlüsse – es dauert, bis alle arretiert sind, und bei mir kam es immer wieder vor, dass am Ende doch der eine oder andere nicht fest war. Eine kleine konstruktive Änderung zu Arretierungen mit definierter Endstellung wäre wünschenswert. Empfehlen kann ich das Stativ allen ambitionierten (Hobby-)Fotografen, die gerne und oft draußen unterwegs sind. Für Studioaufnahmen empfehle ich dagegen ein schwereres Stativ, das notfalls weniger Flexibilität bietet. Ob ich mein altes Stativ gegen das neue Rollei C5i Carbon tausche? Für die Antwort lasse ich mir noch etwas Zeit, im Moment genieße ich den Luxus, zwei sehr gute Stative zu besitzen!